Beispiele für Arbeitsunfälle: Die häufigsten Unfallarten & wie Sie Ihr Team schützen

23. Januar 2026

Arbeitsunfälle sind eine ernste und kostspielige Realität in deutschen Betrieben. Obwohl der Trend erfreulicherweise positiv ist und die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle laut aktuellen Zahlen der DGUV für 2024 auf 712.257 sank, ereignen sich täglich hunderte vermeidbare Unfälle am Arbeitsplatz. Für Entscheider und Arbeitgeber ist es entscheidend, die Risiken und Unfallursachen zu kennen. Dies dient nicht nur der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, sondern vermeidet auch teure Ausfallzeiten, sichert die Produktivität und schützt das wertvollste Gut Ihres Unternehmens: Ihre Mitarbeiter.

Dieser umfassende Artikel liefert Ihnen konkrete Beispiele für Arbeitsunfälle aus verschiedenen Branchen, beleuchtet die rechtlichen Rahmenbedingungen der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung und gibt Ihnen praxisnahe Tipps zur Prävention an die Hand. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das Unfallrisiko in Ihrem Betrieb systematisch senken können.

Die wichtigsten Erkenntnisse für Entscheider

  • Kontrollverlust & SRS-Unfälle: Die häufigsten Unfallursachen sind der Kontrollverlust über Maschinen und Werkzeuge sowie Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (SRS-Unfälle). Letztere führen besonders oft zu schweren Verletzungen und langen Ausfallzeiten.
  • Baugewerbe als Spitzenreiter: Das Baugewerbe weist mit einer Quote von 43,76 Unfällen je 1.000 Beschäftigten das höchste Risiko auf, während auch im vermeintlich sicheren Büro signifikante Gefahren lauern.
  • Hände und Finger sind bei Arbeitsunfällen am häufigsten betroffen, was die Bedeutung von technischem Schutz an Maschinen und der korrekten Nutzung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) verdeutlicht.
  • Durch eine systematische Gefährdungsbeurteilung und proaktive Prävention könnten die meisten Arbeitsunfälle verhindert werden. Dies schützt nicht nur Ihre Mitarbeiter, sondern sichert auch nachhaltig die Wirtschaftlichkeit Ihres Unternehmens.

Was genau ist ein Arbeitsunfall? Eine Definition

man using welding machine

Nicht jeder Unfall, der sich während der Arbeitszeit ereignet, ist automatisch ein versicherter Arbeitsunfall.
Laut der gesetzlichen Definition in § 8 SGB VII liegt ein Arbeitsunfall vor, wenn eine versicherte Person infolge einer versicherten Tätigkeit einen Gesundheitsschaden erleidet. Die vier entscheidenden Kriterien, die von den Unfallversicherungsträgern geprüft werden, sind:

  1. Versicherte Person: Der Arbeitnehmer muss über die Berufsgenossenschaft oder eine Unfallkasse versichert sein. Dies gilt für Angestellte, aber auch für viele weitere Personen wie Auszubildende oder Helfer.
  2. Versicherte Tätigkeit: Der Unfall muss in einem direkten sachlichen Zusammenhang mit der beruflichen Arbeit stehen. Der Handlungszweck des Mitarbeiters muss auf die Erfüllung seiner Arbeitspflichten gerichtet sein.
  3. Unfallereignis: Es muss eine von außen auf den Körper einwirkende, zeitlich begrenzte Einwirkung (z.B. ein Sturz, Stoß oder Kontakt mit einem Gegenstand) stattgefunden haben. Reine innere, krankhafte Vorgänge sind kein Unfall.
  4. Gesundheitsschaden: Aus dem Ereignis muss eine Verletzung, eine Berufskrankheit oder im schlimmsten Fall der Tod resultieren. Die Folgen müssen also nachweisbar sein.

Die Beurteilung, ob diese Kriterien erfüllt sind, obliegt dem zuständigen Unfallversicherungsträger. In Streitfällen entscheidet das Sozialgericht.

Die häufigsten Unfallarten: Ein branchenübergreifender Überblick

red vehicle in timelapse photography

Die Statistiken der DGUV zum Arbeitsunfallgeschehen zeigen, dass bestimmte Unfalltypen dominieren.
Das Wissen um diese Muster ist der erste Schritt zur gezielten Prävention.

Platz 1: Kontrollverlust über Maschinen, Werkzeuge und Gegenstände

Mit rund 33,3 % aller meldepflichtigen Unfälle ist der Kontrollverlust die häufigste Unfallursache. Dies umfasst eine breite Palette von Vorfällen, bei denen Mitarbeiter die Herrschaft über ein Arbeitsmittel verlieren. Beispiele hierfür sind:

  • Quetschungen und Amputationen an Pressen, Walzen oder durch ungesicherte bewegliche Maschinenteile.
  • Schnittverletzungen durch abrutschende Werkzeuge oder scharfkantige Werkstücke.
  • Verletzungen durch wegfliegende Teile, den Rückschlag einer Maschine oder umstürzende Transportmittel und Lagergüter.

Platz 2: Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (SRS-Unfälle)

Obwohl sie nicht die häufigste Ursache sind, führen SRS-Unfälle besonders oft zu schweren Verletzungen mit langen Ausfallzeiten. Sie machen etwa 24,1 % des Unfallgeschehens aus. Die Ursachen sind oft banal, die Konsequenzen jedoch gravierend:

  • Stolpern über unachtsam verlegte Kabel, Teppichkanten oder herumliegende Gegenstände.
  • Rutschen auf nassen, öligen oder durch Laub verschmutzten Böden.
  • Stürze von Leitern oder Treppen, häufig durch unsachgemäße Benutzung oder weil unpassende Hilfsmittel (z.B. ein Bürostuhl) als Leiterersatz dienen.

Branchenspezifische Beispiele für Arbeitsunfälle

Jede Branche hat ihre eigenen, spezifischen Gefahren. Ein detaillierter Blick hilft, die jeweiligen Schwerpunkte für den Arbeitsschutz zu erkennen.

Büro und Verwaltung: Die unterschätzten Gefahren

Obwohl die Unfallquote hier am niedrigsten ist, sind Arbeitsunfälle im Büro keine Seltenheit. Neben den bereits genannten SRS-Unfällen gibt es weitere Risiken:

  • Ergonomische Belastungen: Langfristige Schäden durch eine falsche Sitzhaltung sind zwar keine klassischen Unfälle, fallen aber in den Bereich der arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren und verursachen hohe Ausfallkosten.
  • Schnittverletzungen: Papier, Brieföffner oder Küchenmesser in der Teeküche sind häufige Quellen für kleinere Verletzungen.
  • Elektrische Gefahren: Defekte Kabel an Monitoren oder Mehrfachsteckdosen können zu Kurzschlüssen und im schlimmsten Fall zu Stromschlägen oder Bränden führen.
  • Psychische Belastungen: Auch wenn sie nicht als Unfall gelten, sind Stress, Burnout und Mobbing ernstzunehmende Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz, die in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden müssen.
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Industrie und Produktion: Wo Mensch auf Maschine trifft

In der Fertigung ist das Unfallrisiko deutlich höher. Die Gefahren sind vielfältig:

  • Interne Logistik: Unfälle mit Gabelstaplern gehören zu den schwersten im Betrieb. Im Jahr 2024 gab es laut Statistiken der DGUV 18.035 meldepflichtige Unfälle mit Flurförderzeugen, davon 8 tödlich.
  • Gefahrstoffe: Der unsachgemäße Umgang mit Chemikalien kann zu Verätzungen, Vergiftungen oder Bränden führen.
  • Lärm: Dauerhafter Maschinenlärm führt schleichend zu Gehörschäden. Lärmschwerhörigkeit ist eine der häufigsten anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland.
  • Instandhaltung und Reparatur: Besonders gefährlich sind Wartungsarbeiten. Werden Maschinen nicht korrekt vom Stromnetz getrennt und gegen Wiedereinschalten gesichert (Lockout-Tagout), kann es zu schwersten Unfällen kommen.

Baugewerbe: Die Branche mit dem höchsten Risiko

Keine andere Branche hat eine so hohe Unfallquote. Die BG BAU meldet für 2024 eine Quote von 43,76 Unfällen je 1.000 Beschäftigte. Die gravierendsten Fälle sind Absturzunfälle, die mit 36 % die Hauptursache für tödliche Bauunfälle sind. Weitere Beispiele:

  • Herabfallende Gegenstände: Diese sind für 26 % der tödlichen Unfälle verantwortlich.
  • Unfälle mit Baumaschinen: Machen 15 % der tödlichen Vorfälle aus.
  • Erd- und Grabenbau: Nicht oder schlecht gesicherte Baugruben können einstürzen und Arbeiter unter sich begraben.
Unfallquote-im-Baugewerbe-2024

Sonderfall Wegeunfall: Der Weg zur Arbeit und zurück

Hand gripping a steering wheel while driving.

Wegeunfälle stehen unter dem Versicherungsschutz der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung. Ein klassisches Beispiel ist der Verkehrsunfall. Der Schutz ist an den direkten Weg geknüpft, doch es gibt wichtige Ausnahmen. So ist beispielsweise der Umweg zur Kinderbetreuung gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 2a SGB VII explizit mitversichert.

Die Folgen von Arbeitsunfällen: Eine Doppelbelastung

Ein Arbeitsunfall hat weitreichende Konsequenzen, sowohl für den betroffenen Mitarbeiter als auch für den Arbeitgeber. Es ist ein Trugschluss zu glauben, die Unfallversicherung decke alle Kosten ab.

  • Für Arbeitnehmer: Im Vordergrund stehen die gesundheitlichen Probleme, von leichten Verletzungen bis zur Invalidität. Es folgen finanzielle Einbußen durch Arbeitsunfähigkeit (Verletztengeld) und im schlimmsten Fall eine lebenslange Minderung der Erwerbsfähigkeit, die durch eine Rente der Berufsgenossenschaft nur teilweise ausgeglichen wird. Nicht zu vergessen sind die psychischen Belastungen für die Person und ihre Familie bis hin zur Versorgung der Hinterbliebenen.
  • Für Arbeitgeber (direkte & indirekte Kosten): Neben der moralischen Verantwortung und dem menschlichen Leid entstehen handfeste wirtschaftliche Schäden. Zu den direkten Kosten zählt die Lohnfortzahlung. Viel höher sind jedoch oft die indirekten Kosten: Produktionsausfälle, Vertragsstrafen durch Lieferverzug, Kosten für die Einarbeitung von Ersatzpersonal, Reparaturkosten an Maschinen oder Material, administrativer Aufwand für Unfallmeldung und Untersuchung sowie ein möglicher Imageschaden. Experten schätzen, dass die indirekten Kosten die direkten um das Zwei- bis Dreifache übersteigen können.

Prävention ist alles: Wie Sie Arbeitsunfälle aktiv vermeiden

yellow and black no smoking sign

Die überwiegende Mehrheit aller Arbeitsunfälle ist vermeidbar. Ein systematischer Arbeitsschutz ist die wirksamste und wirtschaftlichste Strategie, um das Unfallrisiko zu minimieren. Der Schlüssel liegt in der konsequenten Anwendung der TOP-Hierarchie gemäß § 4 BetrSichV:

  1. Technische Maßnahmen: Gefahrenquellen beseitigen (z.B. Schutzzäune).
  2. Organisatorische Maßnahmen: Arbeitsabläufe sicher gestalten (z.B. Unterweisungen).
  3. Persönliche Maßnahmen: Persönliche Schutzausrüstung (PSA) als letztes Mittel.

Eine zentrale Rolle spielt die gesetzlich in § 5 ArbSchG vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung. Sie ist das wichtigste Instrument, um systematisch alle Gefahren im Betrieb zu identifizieren, zu bewerten und die passenden Schutzmaßnahmen abzuleiten. Sie ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der bei jeder Änderung von Arbeitsabläufen oder -mitteln angepasst werden muss.

Ihr nächster Schritt zu mehr Arbeitssicherheit

Draufsicht verschiedener persönlicher Schutzausrüstungen (PSA) wie Helm, Gehörschutz, Atemschutzmaske, Sicherheitsschuhe und Schutzbrille auf blauem Holzgrund.

Die gezeigten Beispiele machen deutlich, wie wichtig ein strukturierter Ansatz im Arbeitsschutz ist. Es geht darum, eine nachhaltige Sicherheitskultur zu etablieren. Doch oft fehlt im Tagesgeschäft die Zeit oder die Erfahrung, um dieses komplexe Thema professionell anzugehen.

Sie möchten die Arbeitssicherheit in Ihrem Unternehmen auf das nächste Level heben und rechtssicher agieren? Kontaktieren Sie uns jetzt für eine unverbindliche Erstberatung. Unsere Experten helfen Ihnen, Risiken zu identifizieren und effektive Schutzmaßnahmen zu implementieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Arbeitsunfällen

Wann genau muss ein Arbeitsunfall gemeldet werden?

Ein Arbeitsunfall muss vom Arbeitgeber innerhalb von drei Tagen gemeldet werden, wenn er zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Kalendertagen führt. Tödliche Unfälle und Massenunfälle müssen sofort gemeldet werden.

Sind Unfälle bei Betriebsfeiern versichert?

Ja, Unfälle bei offiziellen Betriebsfeiern stehen in der Regel unter Unfallversicherungsschutz. Entscheidend ist, dass die Feier im Einvernehmen mit der Betriebsleitung stattfindet und allen Betriebsangehörigen offensteht. Die persönliche Teilnahme der Leitung ist laut einem Urteil des Bundessozialgerichts nicht mehr zwingend erforderlich.

Wie sind Arbeitsunfälle im Homeoffice geregelt?

Durch eine Gesetzesänderung im Jahr 2021 wurde der Versicherungsschutz im Homeoffice dem auf der Unternehmensstätte gleichgestellt. Damit sind auch Wege zur Küche oder zur Kinderbetreuung im selben Haus während der Arbeit versichert.

Welche Rolle spielt das Alter bei Arbeitsunfällen?

Die Datenlage ist differenziert. Laut Auswertungen der DGUV haben junge Beschäftigte unter 25 Jahren das höchste Unfallrisiko insgesamt, was oft auf mangelnde Erfahrung und höhere Risikobereitschaft zurückzuführen ist. Unfälle bei älteren Mitarbeitern können zwar tendenziell schwerere Folgen haben, ihre Unfallhäufigkeit ist jedoch nicht generell höher. Gezielte Unterweisungen sind daher für alle Altersgruppen entscheidend.

Antonia Janßen

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